Christkönigs-Sonntag 2011/Cäcilienmesse in Bad Aussee

Die heutige Predigt hat nicht drei sondern zwei Teile. Zuerst muss ich ganz einfach etwas von meinen letzten Reisen berichten – nur so kann ich ja meinem neuen Namen gerecht werde. Im zweiten Teil der Predigt steht dann das Königtum Jesu Christi im Zentrum - und seine Weltgerichtsgerede, die wir als Evangelium gehört haben!

 

1.a.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen! Das möchte ich im ersten Teil der heutigen Predigt tun. Und zwar zuerst einmal von meiner Reise nach Assisi – mit dem Friedensgebet der Weltreligionen, zu dem der Papst eingeladen hat.

Pace e bene – Frieden und Gutes, Frieden und Segen, diese Worte gelten inzwischen als klassischer Gruß der großen weltweiten Familie im Geist des hl. Franz von Assisi. Assisi ist ein besonders begnadeter Ort für den Dialog der Religionen geworden.

Franziskus selbst ist ja bekanntlich ins Hl. Land aufgebrochen und dem Sultan von Ägypten begegnet. Nach dem Gespräch hat ihn der wohl ziemlich erstaunte Sultan mit einem kleinen Geschenk bedacht und unter seinen persönlichen Schutz gestellt, solange Franziskus sich im Hl. Land aufhält. Dieser Geist des Dialoges und des Friedens ist den Franziskanern von Assisi Erbe und Auftrag. Seit Jahrzehnten leisten sie federführend für die ganze katholische Kirche Großartiges für Versöhnung und Frieden.

Das hat Papst Johannes Paul II. wertgeschätzt und unterstützt. So hat er vor genau 25 Jahren zum ersten, inzwischen „historischen“ Friedensgebet ganz bewusst nicht nach Rom sondern nach Assisi eingeladen.

Benedikt XVI. hat diese Initiative gewürdigt mit dem zweiten Friedensgebet von Assisi, zu dem er am 27. Oktober 2011 eingeladen hat.

Es waren diesmal eher kleine, aber ganz feine Zeichen, die der Pontifex gesetzt hat: Benedikt XVI. wird in den deutschen Medien ja gerne als der „grüne“ Papst bezeichnet, weil ihm die Themen Lebensschutz und Bewahrung der Schöpfung ein ganz besonderes Anliegen sind. So hat er alle offiziellen Delegierten zu einer Zugfahrt von Rom nach Assisi und wieder zurück eingeladen – ein kleines, aber starkes Zeichen. Beim Treffen dann hat die Stille und das hl. Schweigen eine große Rolle gespielt. Das Essen war bewusst einfach – ohne Fleisch, ohne Wein, im Wesentlichen gab es Reis, Obst und Wasser. Und natürlich haben Musik und Gesang eine zentrale Rolle gespielt: Bei der Eröffnung in Portiuncula waren es die jungen Franziskaner, die diesen Teil mit Musik und Gesang geprägt haben. Offizielle Delegierte aus Afrika und Asien ließen es sich nicht nehmen, ihre Grußworte auch mit Gesang zu untermalen. Sie haben damit ihren Worten noch mehr Gewicht gegeben. Was mit Musik oder Gesang unterstrichen wird, das hat eben noch einmal eine andere Qualität. Wir alle können davon ein Lied singen, ein dankbares Lied, jenen gegenüber, die bei unseren Gottesdiensten mit Musik und Gesang das Wort Gottes verkünden und unterstreichen. Sie sprechen damit Schichten in uns an, die mit dem Wort allein wohl nie berührt würden. Zum Abschluss des Friedensgebetes in Assisi „im Schatten von San Francesco“ waren es dann die weltweit auftretenden Gruppen der Fokularbewegung - Gen Verde und Gen Rosso - die dem Treffen noch einmal einen besonderen Stempeln aufgedrückt haben. Aber auch die schlichten Friedenslichter in der Hand der Delegierten und zuletzt dann die Tauben, die sie haben fliegen lassen – all das waren für mich stimmige Zeichen für einen Geist des Friedens und der Versöhnung in den Religionen und durch die Religionen. Die Verpflichtung von Gläubigen und Atheisten auf Gedanken und Werke des Friedens und der Versöhnung ist beeindruckend geschehen…

Assisi war also auf jeden Fall eine Reise wert - für uns 9, die wir vom Haus der Stille in der Steiermark aufgebrochen sind, für die Jugendlichen, die zum Treffen gekommen sind, aber auch für die Vertreter der Weltreligionen inklusive der Atheisten! Die Atheisten waren ja auf Initiative des Papstes zum ersten Mal durch eine Frau auf dem Podium vertreten. Aber auch sonst war der Anteil von Frauen als offiziell Delegierter im Vergleich zum ersten Treffen markant größer. Pace e bene, Frieden und Segen – der Stadt Assisi und dem ganzen Erdkreis!

 

1.b.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen! In der vergangenen Woche war ich endlich auf Urlaub, diesmal mit einigen Leuten aus dem Ausseerland in Belek in der Türkei. Es war ein sog. Aktiv-Urlaub mit ca. 3 h Tennisspielen am Tag. Von dieser Woche möchte ich ein Wort wiedergeben, das mich und Peter Musek sehr beeindruckt hat. Es war ein SMS, das eine deutsche Urlauberin bekommen hat, ein SMS von einem Mann, der dieser Witwe einen schönen und erholsamen Urlaub gewünscht hat. Sie hat ihn als den „liebsten Menschen auf der ganzen Welt“ bezeichnet. Dann hat sie noch hinzugefügt, dass er Brasilianer sei, gut 40 Jahre alt. Durchs Studium ist er nach Europa gekommen. Jetzt ist er schon mehrere Jahre der Pfarrer ihrer Gemeinde… Ein SMS „vom liebsten Menschen auf der ganzen Welt“ – ein großes, ein schönes Wort über einen ausländischen Priesterkollegen, das mich sehr gefreut hat und dass ich mir in Erinnerung an diesen Urlaub bewahren möchte.

 

2.a.

Im zweiten Teil der Predigt geht es um das Königtum Jesu Christi – und um seine Rede vom Weltgericht, die wir als Evangelium gehört haben:

Zum Königtum gibt es in der Bibel ganz verschiedene Assoziationen:

Im Hinterkopf sollten wir immer mit bedenken, dass die Einführung des Königtums in Israel ein Ausdruck für den Unglauben ist: Israel genügt es nicht mehr, dass Jahwe sein Ein und Alles ist. Israel möchte so wie alle anderen Völker im Umkreis auch einen irdischen König haben, einen König zum Anfassen. Und es ist bereit, dafür einen bitteren hohen Preis zu zahlen.

Gott sei Dank hat es dann einige gute Beispiele gegeben, Könige, die wie Hirten für das Volk gewesen sind: Könige, die den Bezug zur Basis nicht verloren haben, die die Leute mit Namen gekannt haben, die mit dem Volk durch dick und dünn gegangen sind. In diesem Sinn hat dann Jesus ja auch von sich als dem Guten Hirten gesprochen.

Das biblische Königtum ist untrennbar mit dem Haus und dem Geschlecht David verbunden. Daher konnte der Christus, der erwartete Messias auch nur aus dem Haus und Geschlecht Davids stammen. Auf ironisch-verletzende Art wird der Zusammenhang zwischen Jesus und dem Judentum dann durch die Inschrift am Kreuz belegt: Jesus von Nazareth, König der Juden!

Letztlich aber ist Jesu Königtum eben nie und nimmer von dieser Welt – er ist und bleibt der ganz andere König, für viele der Spottkönig, ein Spott von einem König - damals wie heute!

In einer Meditation hat das Bernhard Kirchgessner sehr schön zusammengefasst:

Wo die Mächtigen dieser Welt eine Krone tragen, trägst Du eine Dornenkrone.

Wo die Mächtigen dieser Welt mit einem Zepter regieren, regierst Du mit einem Schilfrohr.

Wo die Mächtigen dieser Welt sich mit kostbaren Gewändern kleiden, kleidet Dich ein Spottmantel.

Wo die Mächtigen dieser Welt auf Thronen sitzen, hängst Du am Kreuz.

Wo die Mächtigen dieser Welt sich mit edlen Ringen schmücken, schmücken Dich die Nägel.

Jesus, der ganz andere König.

2.b.

Damit komme ich abschließend zum Evangelium, zur Rede Jesu vom Weltgericht: Viele tun sich damit schwer. Vielen passt diese Gerichtsrede nicht in ihr Jesusbild. Mir gefällt, was Michael Zielonka als Hochschulseelsorger in Paris dazu geschrieben hat. Zielonka ist davon überzeugt, dass wir gerade dieses Evangelium brauchen, diese Predigt Jesu vom Weltgericht, Jesu Rede von der Scheidung zwischen den Schafen und Böcken. Zielonka schreibt wörtlich zu Mt 25, 31-46:

Warum wir sie brauchen diese Weltgerichtsrede

 

Was der Hirt da voneinander scheidet,

sind es Schafe und Böcke oder Schafe und Ziegen oder Unkraut und Weizen oder Juden und Nicht-Juden oder Christen und Heiden oder Gute und Böse oder Unrecht Tuende und Unrecht Erleidende? 

Das ist die Preisfrage!

Weil wir gar nicht mehr unterscheiden, weil wir so elendig zwitterhaft geworden sind.

Weil bei uns alles so verwischt ist, dass gar keine Scheidung mehr möglich wird.

Wir tun Unrecht und erleiden Unrecht, wir sind böse und gut zugleich, Schafe und Ziegen zugleich, Unkraut und Weizen.

Wir brauchen diese Weltgerichtsrede, weil wir uns überall durchmogeln und durchpfuschen, weil wir weder Fleisch sind noch Fisch (sondern höchst merkwürdiges Geflügel), weil wir weder Frau noch Mann sind, weil es um uns weder Tag ist noch Nacht.

Weil wir also nicht mehr unterscheiden, darum brauchen wir sie ganz dringend, diese Weltgerichtsrede.“

Soweit Zielonka zum Thema Unterschied, Scheidung durch den Hirten Jesus, durch den König und Richter. Jesus ist der Unterschied, der den echten Unterschied macht, die große Scheidung! So ist es. Amen.