Die
heutige Predigt hat nicht drei sondern zwei Teile. Zuerst muss ich ganz einfach
etwas von meinen letzten Reisen berichten – nur so kann ich ja meinem neuen
Namen gerecht werde. Im zweiten Teil der Predigt steht dann das Königtum Jesu
Christi im Zentrum - und seine Weltgerichtsgerede, die wir als Evangelium gehört
haben!
1.a.
Wenn einer eine
Reise tut, dann kann er was erzählen!
Das möchte ich im ersten Teil der heutigen Predigt tun. Und zwar zuerst einmal
von meiner Reise nach Assisi – mit dem Friedensgebet der Weltreligionen, zu dem
der Papst eingeladen hat.
Pace e bene – Frieden und Gutes, Frieden und Segen, diese Worte gelten
inzwischen als klassischer Gruß der großen weltweiten Familie im Geist des hl.
Franz von Assisi. Assisi ist ein besonders begnadeter Ort für den Dialog der
Religionen geworden.
Franziskus selbst ist ja bekanntlich ins Hl. Land aufgebrochen und dem
Sultan von Ägypten begegnet. Nach dem Gespräch hat ihn der wohl ziemlich
erstaunte Sultan mit einem kleinen Geschenk bedacht und unter seinen
persönlichen Schutz gestellt, solange Franziskus sich im Hl. Land aufhält.
Dieser Geist des Dialoges und des Friedens ist den Franziskanern von Assisi Erbe
und Auftrag. Seit Jahrzehnten leisten sie federführend für die ganze katholische
Kirche Großartiges für Versöhnung und Frieden.
Das hat
Papst Johannes Paul II. wertgeschätzt und unterstützt. So hat er vor
genau 25 Jahren zum ersten, inzwischen „historischen“ Friedensgebet ganz bewusst
nicht nach Rom sondern nach Assisi eingeladen.
Benedikt XVI. hat diese Initiative gewürdigt mit dem zweiten
Friedensgebet von Assisi, zu dem er am 27. Oktober 2011 eingeladen hat.
Es
waren diesmal
eher kleine, aber ganz feine Zeichen,
die der Pontifex gesetzt hat: Benedikt XVI. wird in den deutschen Medien ja
gerne als der „grüne“ Papst bezeichnet, weil ihm die Themen Lebensschutz und
Bewahrung der Schöpfung ein ganz besonderes Anliegen sind. So hat er alle
offiziellen Delegierten zu einer
Zugfahrt von Rom nach Assisi und
wieder zurück eingeladen – ein kleines, aber starkes Zeichen. Beim Treffen dann
hat
die Stille und das hl. Schweigen
eine große Rolle gespielt.
Das Essen war bewusst einfach –
ohne Fleisch, ohne Wein, im Wesentlichen gab es Reis, Obst und Wasser. Und
natürlich haben
Musik und Gesang eine zentrale
Rolle gespielt: Bei der Eröffnung in Portiuncula waren es die jungen
Franziskaner, die diesen Teil mit Musik und Gesang geprägt haben. Offizielle
Delegierte aus Afrika und Asien ließen es sich nicht nehmen, ihre Grußworte auch
mit Gesang zu untermalen. Sie haben damit ihren Worten noch mehr Gewicht
gegeben. Was mit Musik oder Gesang unterstrichen wird, das hat eben noch einmal
eine andere Qualität. Wir alle können davon ein Lied singen, ein dankbares Lied,
jenen gegenüber, die bei unseren Gottesdiensten mit Musik und Gesang das Wort
Gottes verkünden und unterstreichen. Sie sprechen damit Schichten in uns an, die
mit dem Wort allein wohl nie berührt würden. Zum Abschluss des Friedensgebetes
in Assisi „im Schatten von San Francesco“ waren es dann die weltweit
auftretenden Gruppen der Fokularbewegung - Gen Verde und Gen Rosso - die dem
Treffen noch einmal einen besonderen Stempeln aufgedrückt haben. Aber auch
die schlichten Friedenslichter in der Hand der Delegierten und zuletzt
dann
die Tauben, die sie haben fliegen lassen
– all das waren für mich stimmige Zeichen für einen Geist des Friedens und der
Versöhnung
in den Religionen und
durch die Religionen. Die Verpflichtung von Gläubigen und Atheisten auf
Gedanken und Werke des Friedens und der Versöhnung ist beeindruckend geschehen…
Assisi war also auf jeden Fall eine Reise wert - für uns 9, die wir vom
Haus der Stille in der Steiermark aufgebrochen sind, für die Jugendlichen, die
zum Treffen gekommen sind, aber auch für die Vertreter der Weltreligionen
inklusive der Atheisten! Die Atheisten waren ja auf Initiative des Papstes zum
ersten Mal durch eine Frau auf dem Podium vertreten. Aber auch sonst war der
Anteil von Frauen als offiziell Delegierter im Vergleich zum ersten Treffen
markant größer.
Pace e bene, Frieden und Segen – der
Stadt Assisi und dem ganzen Erdkreis!
1.b.
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen! In der vergangenen
Woche war ich endlich auf Urlaub, diesmal mit einigen Leuten aus dem Ausseerland
in Belek in der Türkei. Es war ein sog. Aktiv-Urlaub mit ca. 3 h Tennisspielen
am Tag. Von dieser Woche möchte ich ein Wort wiedergeben, das mich und Peter
Musek sehr beeindruckt hat. Es war ein SMS, das eine deutsche Urlauberin
bekommen hat, ein SMS von einem Mann, der dieser Witwe einen schönen und
erholsamen Urlaub gewünscht hat. Sie hat ihn als den
„liebsten Menschen auf der ganzen Welt“ bezeichnet. Dann hat sie noch
hinzugefügt, dass er Brasilianer sei, gut 40 Jahre alt. Durchs Studium ist er
nach Europa gekommen. Jetzt ist er schon mehrere Jahre der Pfarrer ihrer
Gemeinde… Ein SMS „vom liebsten Menschen auf der ganzen Welt“ – ein großes, ein
schönes Wort über einen ausländischen Priesterkollegen, das mich sehr gefreut
hat und dass ich mir in Erinnerung an diesen Urlaub bewahren möchte.
2.a.
Im
zweiten Teil der Predigt geht es um das Königtum Jesu Christi – und um seine
Rede vom Weltgericht, die wir als Evangelium gehört haben:
Im
Hinterkopf sollten wir immer mit bedenken, dass die Einführung des Königtums in
Israel
ein Ausdruck für den Unglauben
ist: Israel genügt es nicht mehr, dass Jahwe sein Ein und Alles ist. Israel
möchte so wie alle anderen Völker im Umkreis auch einen irdischen König haben,
einen König zum Anfassen. Und es ist bereit, dafür einen bitteren hohen Preis zu
zahlen.
Gott
sei Dank hat es dann einige gute Beispiele gegeben, Könige, die
wie Hirten für das Volk gewesen sind: Könige, die den Bezug zur Basis
nicht verloren haben, die die Leute mit Namen gekannt haben, die mit dem Volk
durch dick und dünn gegangen sind. In diesem Sinn hat dann Jesus ja auch von
sich als dem Guten Hirten gesprochen.
Das
biblische Königtum ist untrennbar mit
dem Haus und dem Geschlecht David
verbunden. Daher konnte der Christus, der erwartete Messias auch nur aus dem
Haus und Geschlecht Davids stammen. Auf ironisch-verletzende Art wird der
Zusammenhang zwischen Jesus und dem Judentum dann durch die Inschrift am Kreuz
belegt:
Jesus von Nazareth, König der Juden!
Letztlich aber ist Jesu Königtum eben nie und nimmer von dieser Welt – er ist
und bleibt
der ganz andere König, für viele
der Spottkönig, ein Spott von einem König - damals wie heute!
In einer Meditation hat das
Bernhard Kirchgessner sehr schön zusammengefasst:
Wo die Mächtigen dieser Welt eine Krone
tragen, trägst Du eine Dornenkrone.
Wo die Mächtigen dieser Welt mit einem
Zepter regieren, regierst Du mit einem Schilfrohr.
Wo die Mächtigen dieser Welt sich mit
kostbaren Gewändern kleiden, kleidet Dich ein Spottmantel.
Wo die Mächtigen dieser Welt auf Thronen
sitzen, hängst Du am Kreuz.
Wo die Mächtigen dieser Welt sich mit
edlen Ringen schmücken, schmücken Dich die Nägel.
Jesus, der ganz andere König.
2.b.
Damit komme ich abschließend zum
Evangelium, zur Rede Jesu vom Weltgericht: Viele tun sich damit schwer.
Vielen passt diese Gerichtsrede nicht in ihr Jesusbild. Mir gefällt, was
Michael Zielonka als
Hochschulseelsorger in Paris dazu geschrieben hat. Zielonka ist davon überzeugt,
dass wir gerade dieses Evangelium brauchen, diese Predigt Jesu vom
Weltgericht, Jesu Rede von der Scheidung zwischen den Schafen und Böcken.
Zielonka schreibt wörtlich zu Mt 25, 31-46:
Was der Hirt da voneinander scheidet,
sind es Schafe und Böcke oder Schafe und Ziegen oder
Unkraut und Weizen oder Juden und Nicht-Juden oder Christen und Heiden oder Gute
und Böse oder Unrecht Tuende und Unrecht Erleidende?
Das ist die Preisfrage!
Weil wir gar nicht mehr unterscheiden,
weil wir so elendig zwitterhaft geworden sind.
Weil bei uns alles so verwischt ist, dass
gar keine Scheidung mehr möglich wird.
Wir tun Unrecht und erleiden Unrecht, wir
sind böse und gut zugleich, Schafe und Ziegen zugleich, Unkraut und Weizen.
Wir brauchen diese Weltgerichtsrede, weil
wir uns überall durchmogeln und durchpfuschen, weil wir weder Fleisch sind noch
Fisch (sondern höchst merkwürdiges Geflügel), weil wir weder Frau noch Mann
sind, weil es um uns weder Tag ist noch Nacht.
Weil wir also nicht mehr unterscheiden,
darum brauchen wir sie ganz dringend, diese Weltgerichtsrede.“
Soweit
Zielonka zum Thema Unterschied, Scheidung durch den Hirten Jesus, durch den
König und Richter. Jesus ist der Unterschied, der den echten Unterschied macht,
die große Scheidung! So ist es. Amen.